Eigentlich war ich auf dem Weg Professorin zu werden. Linguistik. Ziemlich respektabel.
Aber meine Seele war anderer Meinung.
Seele… Sehnsucht. Ursprung. Gott.
Jedes Wort irgendwie unzulänglich für dieses Mysterium in uns.
Ich habe immer geglaubt, dass jeder von uns eine ganze Galaxie in sich trägt, die erkundet werden will.
Also bin ich dem Ruf gefolgt, sowohl im Außen als auch im Innern.
Einmal um die Ostsee herum. Tief hinein in die rauen skandinavischen Länder. Nach Irland – sowohl im Sommer als auch im Winter, mit Schnee, der auf verborgene Strände fiel – so weit und einsam, dass man fast glaubte, gleich durch den Nebel hindurch in Narnia zu landen.
Und dann – Kanada. Das Land, in dem Gott lebt, wie ich gern sage.
2014, nach einer schweren Zeit, buchte ich spontan einen Flug. Keine Pläne. Keine Checklisten. Nur ich und meine Intuition, getrieben durch den Wunsch, Zeit mit mir, der Wildnis und dem Leben selbst zu verbringen - dem, was es ist, wenn man alle Erwartungen, Vorgaben und Gewohnheiten fallen lässt.
Und genau so war es.
Bis heute war diese Reise eine der einflussreichsten meines Lebens.
2024 dann endlich, die Rückkehr.
4 Wochen wurden zu 6 Monaten.
Die Autovermietung in Vancouver musste meinetwegen durch die 5 Phasen der Trauer gehen, von „Moment, Sie sind WO?!? Im YUKON??“ zu stiller Resignation: „Wir haben Ihren Vertrag bereits verlängert, Frau Link. Genießen Sie Ihre weitere Reise.“
20.000 km.
British Columbia, Yukon und Teile der Nordwest-Territorien. Teilweise war ich über tausend Kilometer ohne Netzempfang unterwegs - keine Nachrichten, kein Internet, nur Wildnis, Staubstraßen und endlose Weite. Ein paar Mal war ich mir nicht sicher, dass ich es heil überstehen würde. Ich begegnete Bären, den Gezeiten, dem Verlust meiner Campingausrüstung, verlor einen Reifen und überlebte zeitweise größtenteils auf der Basis von Chili con Carne aus der Dose - in jeder denkbaren Sorte unter der Sonne, bis der bloße Anblick dafür sorgte, dass ich kurz meinen Glauben an das Gute in mir verlor.
Aber hey - Don’t get chilly, eat chili.
(Ich hatte viel Zeit, nachzudenken.)
Ich schwamm in Seen, so klar, dass man die Steine und kleinen Fische auf dem Grund zählen konnte – durch das Wasser gleitend, mit tausend tanzenden Sonnen auf der Oberfläche, die Sommerwärme im Gesicht und die Kühle des Sees auf meiner nackten Haut wie eine Umarmung. Ich wusch meine Haare in Seen und Flüssen und lauschte, den Kopf unter Wasser, dem gedämpften, fast mystischen Klang von Donner und Regen – eine Erfahrung, die mich nicht mehr loslässt.
Ich teilte Lagerfeuer, kaltes Bier und Lachen mit wundervollen und skurrilen Menschen, deren Gesellschaft mir kostbar war, für einen Abend oder zwei; unternahm Wanderungen und Kajak-Touren mit Fremden, die zu Freunden wurden – manche davon bis heute.
Jenseits der atemberaubenden Weite der Wildnis und der sich immer ändernden Landschaften, erlebte ich auch Dinge, bei denen man das Wort magisch verwenden möchte:
An einem gefrorenen See in den Rockies saß ich morgens am Ufer, sang vor mich hin - und kurz darauf suchten Vögel meine Nähe und landeten sogar auf meinen Händen. Ich sprach eine Elchkuh an und sie kam zu mir. Ich sag nicht, ich sei ne Tierflüsterin. Ich sage nur, die Natur und ich verstehen uns.
Mein Vater schenkte mir eine Kamera als ich noch ein Kind war.
Die Fotografie war seither Teil meines Lebens. Keine Filter, kein Austauschen von Bildhintergründen - warum sollte ich mich selbst darum betrügen, wirklich dort gewesen zu sein?
Die Malerei fand 2020 ihren Weg zu mir, nachdem die Welt von leicht verrückt in den völligen Wahn abdriftete.
Die Poesie war schon immer mein Versuch, das zu berühren, was verborgen ist.
Wir sind Natur. Wir kommen aus ihr, wir gehören zu ihr – und die meisten von uns haben das vergessen. Ich glaube es ist wirklich Zeit, dass wir uns wieder erinnern. Wir sind in ständiger Beziehung zu ihr – ob wir sie lieben, sie ausbeuten, sie schützen oder vernachlässigen. Wie wir unsere Umgebung behandeln spiegelt auch die Art und Weise, wie wir mit anderen - und letztendlich mit uns selbst - umgehen.
Und ich hoffe, dass dieser kleine Einblick in meine Welt deine ein bisschen heller macht.
Trust the wild in you - it’s where the real prayers live.
Sandra
Im Norden Norwegens
Einmal um die Ostsee mit dem Auto und Zelt. Hier, irgendwo in Schweden.
Diese Straße führt in die Nordwest Territorien.
Schon bald endet der Asphalt und geht über in hunderte Kilometer aus Staub und Schotter. Es sind fast 40 Grad und man kann den Rauch der umliegenden Waldbrände riechen.
In den Nördlichen Rocky Mountains; ich war bereits seit Monaten unterwegs.
Auf meinem Weg in den Yukon; das hier ist der Norden British Columbias, Kanada
Die endlose Weite der arktischen Tundra im Yukon.
Diese raue Schotterpiste ist der einzige Weg, der über hunderte Kilometer bis hinauf zum Arktischen Ozean führt.
Von Grizzlies, Elchen und Adlern bis hin zu Füchsen und Schneehühnern - dort draußen gibt es jede Menge Wildtiere zu entdecken.